Türkische Teppiche

Türkische Teppiche

Türkische Teppiche

Siebenbürgen, im heutigen Rumänien, gehörte von 1526 bis 1699 zum Osmanischen Reich. Die Region war ein wichtiges Zentrum für den Handel mit Europa. Auch in Siebenbürgen selbst waren türkische Teppiche sehr geschätzt, und wurden häufig als Schmuck in wohlhabenden Häusern verwendet, besonders aber zur Ausschmückung der christlichen Kirchen. Auch heute noch findet man antike Orientteppiche aus der Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in den protestantischen Kirchen der Siebenbürger Sachsen. Die wohl bedeutendste Sammlung dieser so genannten „Siebenbürger Teppiche“ befindet sich auch heute noch in der „Schwarzen Kirche“ von Brașov. In den oft zur Verteidigung gebauten Kirchenburgen überstanden die Teppiche die wechselvolle Geschichte des Landes und waren zudem vor Abnutzung geschützt, weil sie meist nur zur Dekoration dienten oder in den Kirchenräumen gelagert wurden. Die Teppiche befinden sich daher trotz ihres Alters oft noch in ausgezeichnetem Zustand. Es finden sich darunter seltene anatolische Teppiche vom „Holbein-“, „Lotto“- und vom „weißgrundigen“ Selendi-Typ.
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Türkische Teppiche

Der Begriff „Siebenbürger Teppiche“ stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert, als noch nicht geklärt war, dass die Teppiche tatsächlich in Anatolien hergestellt worden waren. Im engeren Sinn versteht man heute darunter eher kleinformatige Teppiche mit Hauptbordüren, die mit Reihen länglicher, eckiger Kartuschen dekoriert sind, deren Inneres mit stilisierten floralen Mustern gefüllt ist, manchmal abwechselnd mit kürzeren Sternenrosetten oder Kartuschen. Das Feld hat oft ein Gebetsnischenmuster, das mit zwei Vasenpaaren mit geblümten Ranken gefüllt ist, die symmetrisch entlang der horizontalen Mittelachse angeordnet sind. In anderen Stücken ist das Feldornament zu Medaillons konzentrischer, abgerundeter Rauten und Blütenreihen verdichtet. Die Zwickel der einzelnen oder doppelten Nischen enthalten steif wirkende Arabesken oder geometrische, rektilineare Rosetten und Blattornamente. Die Grundfarbe ist gelb, rot, oder dunkelblau. Kirchenbücher, Handelsregister und erhaltene Archive einerseits, die Abbildung solcher Teppiche in niederländischen Gemälden des 17. Jahrhunderts andererseits gestatten es, die Teppiche recht genau zu datieren.
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Türkische Teppiche

Es sind vor allem die außergewöhnlichen und bildschönen Muster, die antike türkische Teppiche beliebt machen. Dies gilt in ihrer Heimat ebenso wie hierzulande. Oftmals kommen gleichmäßige Flor-Motive zum Einsatz, es gibt aber ebenso beeindruckend verschnörkelte und kunstvolle Motive. Zusätzlich unterscheiden sich die einzelnen Teppiche in ihrer Größe. Kleinere antike asiatische Teppiche haben die Maße 80 x 50 cm, längere Varianten weisen teilweise Maße von 500 x 83 cm auf. In der Regel nutzt man aber die mittelgroßen Vertreter mit 320 x 164 cm. Achten Sie darauf, dass es sich um einen handgefertigten Teppich handelt, weil diese ausgesprochen kostbar sind.
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Türkische Teppiche

Teppiche wurden auch in kleineren Manufakturen in den Städten des Osmanischen Reiches hergestellt. Für gewöhnlich verfügten die Stadtmanufakturen über ein breiteres Repertoire an Mustern und Ornamenten sowie künstlerisch ausgearbeitete Mustervorlagen, die dann von Knüpfern ausgeführt wurden. Die Farbpalette ist reich, und die Knüpftechnik konnte feiner sein, weil die Stadtmanufakturen Zugang zu Material besserer Qualität hatten und über geschickte, spezialisierte Berufsknüpfer verfügten. Auf den fest montierten, großem Webstühlen können größere Formate produziert werden. Die Teppiche werden nach Kartons geknüpft, oft stellt die Manufaktur auch das professionell gefärbte Material. Stadtmanufakturen waren meist in der Lage, Teppiche auf Bestellung sogar aus anderen Ländern anzufertigen, oder produzierten Teppiche für den Exporthandel.
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Türkische Teppiche

Niğde ist das Marktzentrum für die Umgebung. Falls ein Gebetsnischen-Muster verwendet wird, sind Nischen und Bögen typischerweise sehr schmal. Auch das Feld ist oft nicht viel breiter als die Hauptbordüre. Im Feld von Taşpınar-Teppichen sieht man sehr häufig ein längliches, fast ovales Zentralmedaillon. Die dominanten Farben sind ein warmes Rot, Blau, und Hellgrün. Fertek-Teppiche zeichnen sich durch ihre einfachen floralen Ornamente aus. Das Feld ist oft nicht, wie sonst üblich, mittels einer schmalen Nebenbordüre von der Hauptbordüre abgegrenzt. Die äußerste Nebenbordüre weist häufig ein reziprokes Zinnenmuster auf. Die Farben sind aus weichem Rot, Dunkelolivgrün und Blau zusammengestellt. Teppiche aus Maden verwenden Cochenillerot in den auch für Niğde-Teppiche charakteristischen schmalen Feldern. Als Grundfarbe der Hauptbordüre wird gerne ein korrosives Braun genommen, das mit der Zeit die Wolle des Flors angreift und durch die stärkere Abnutzung der so gefärbten Bereiche einen Reliefeffekt hervorruft. Yahali ist ebenfalls ein regionales Zentrum und Marktplatz für die Umgebung. Teppiche von hier zeigen hexagonale Medaillons mit Dopelhaken-Ornamenten in den Feldern und Nelkenornamenten in der Hauptbordüre.
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Türkische Teppiche

Mit ihrer kurvilinearen Mustergestalt weichen die Medaillon-Uşak-Teppiche deutlich von den Mustern älterer anatolischer Teppiche ab. Ihr Auftreten im 16. Jahrhundert deutet auf einen möglichen Einfluss durch persische Musterbildungen hin. Nachdem die Osmanen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die ehemalige persische Hauptstadt Täbris besetzt hatten, müssen sie persische Medaillonteppiche gekannt haben. Einige Stücke waren schon früh in türkischem Besitz. Kurt Erdmann hat einige persische Exemplare aus dieser Zeit im Topkapı-Palast aufgefunden. Das Medaillon des Uşakteppichs, verstanden als Teil eines unendlichen Rapports, repräsentiert eine spezifisch „türkische“ Idee, die sich eindeutig vom persischen Musterverständnis des eigenständigen Zentralmedaillons abhebt.
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Aufgrund ihrer ursprünglichen Größe (Riefstahl publizierte einen Teppich von 6 m Länge), können die Konya-Teppiche nur in einer spezialisierten Stadtmanufaktur hergestellt worden sein, denn Webstühle dieser Größe finden keinen Platz in einem Dorfhaus oder einem Nomadenzelt. Es ist nicht bekannt, wo genau diese Teppiche einst geknüpft wurden. Die Feldmuster der Konya-Teppiche sind meist geometrisch und im Verhältnis zur Größe des Teppichs eher klein. Die untereinander sehr ähnlichen Muster sind in diagonalen Reihen angeordnet: Sechsecke mit geraden oder hakenbesetzten Umrisslinien; Quadrate mit Sternen darin und dazwischen eingefügten Ornamenten, die kufischer Schrift ähnlich sind; Sechsecke oder stilisierte Blumen und Blätter in Rautenornamenten. Die Hauptbordüre enthält oft kufische Ornamente. Die Ecken sind nicht „aufgelöst“, was bedeutet, dass das Muster der Bordüre an den Ecken abgeschnitten erscheint und sich nicht um die Ecke herum fortsetzt. Die Farben (Blau, Rot, Grün, seltener auch Weiß, Braun, Gelb) erscheinen gedämpft. Oft liegen zwei unterschiedliche Schattierungen der gleichen Farbe direkt nebeneinander. Kein Muster gleicht dem anderen auf diesen Teppichen.
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Zu der Zeit, als die Siebenbürger Teppiche erstmals auf niederländischen Gemälden abgebildet wurden, waren königliche und adlige Personen schon eher dazu übergegangen, sich mit den schon als kostbarer und seltener angesehenen Teppichen persischer und indischer Herkunft porträtieren zu lassen. Die nicht ganz so wohlhabenden Bürger ließen sich aber immer noch mit den anatolischen Teppichen abbilden. Das „Portrait des Abraham Graphaeus“ von Cornelis de Vos von 1620, und Thomas de Keysers „Portrait eines unbekannten Mannes“ sowie das „Portrait des Constantijn Huyghens und seines Sekretärs“ gehören zu den frühesten Gemälden, auf denen osmanische Manufaktur-Teppiche des „Siebenbürger“ Typs zu sehen sind. Siebenbürger Handelsregister, Zollabfertigungen und andere Archivquellen belegen, dass diese Teppiche in großen Mengen nach Europa exportiert wurden. Dies deutet wahrscheinlich darauf hin, dass die Nachfrage nach anatolischen Teppichen stark gestiegen war, nachdem eine wachsende großbürgerliche Schicht zu dieser Zeit in der Lage war, sich diese Luxusgüter leisten zu können.
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Anatolien wird in drei große geographische Regionen unterteilt, deren traditionelle Teppichproduktion sich in ihren Merkmalen unterscheidet. Die Teppichknüpferei konzentriert sich um lokale Städte und Handelsplätze, nach denen die in ihrer Umgebung hergestellten Teppiche benannt werden. West-, Zentral- und Ostanatolien sind unterschiedliche technische, Muster- und Farbtraditionen zu eigen. Aufgrund der inneranatolischen Wanderbewegungen und der Übernahme am Markt erfolgreicher Muster und Farben durch die von Traditionen unabhängige kommerzielle Produktion lassen sich moderne Teppiche oft nicht mehr einer bestimmten Stadt oder Region zuordnen, sondern nur grob zu einer der drei geographischen Regionen. Ältere und antike Teppiche können dagegen aufgrund der verwendeten Materialien und Farben, technischer Eigenschaften und einer charakteristischen Mustergestalt oft einem speziellen Knüpfzentrum zugeordnet werden.
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Teppiche aus Kırşehir, Mucur und Ortaköy sind eng verwandt und nicht leicht voneinander zu unterscheiden. Sowohl Gebetsnischen- als auch Medaillonmuster kommen vor, ebenso Garten- („mazarlik“- oder „Friedhofs-“) Muster. Blasses Türkisblau, Blassgrün und Rosa sind die vorwiegend verwendeten Farben. Teppiche aus Ortaköy zeigen ein hexagonales Zentralornament, das häufig ein kreuzförmiges Muster umschließt. In den Bordüren sieht man stilisierte Nelken, die in einer Reihe quadratischer Rahmen angeordnet sind. Teppiche aus Mucur, das erst im 19. Jahrhundert als Knüpfzentrum Bedeutung erlangte, weisen ein getrepptes, ungemustertes „Gebetsnische in der Gebetsnische“-Muster in kontrastierendem leuchtendem Krapprot und hellem Indigoblau, voneinander durch gelbe Umrisslinien abgesetzt. Das charakteristische Bordürenmuster von Mucur besteht aus fliesenartig aufgereihten Quadraten, deren Einzelmotiv eine auf der Spitze stehende Raute mit zentraler achtblättriger Rosette ist. Je zwei V-förmige Füllmotive in jeder Ecke ergänzen die Fläche um die Raute zum Quadrat. Die Farben des Mucur-Teppichs sind intensiv, aber kühler und können in der häufig verwendeten Kombination von Mittelblau, Grün, Schmutziggelb und Violett der Bordüre unruhig wirken. Mucur und Kırşehir sind auch für ihre Reihengebetsteppiche („saph“) bekannt.

Published on Jan 3, 2017 | Under News | By admin
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